Der Ort meiner Trauer

Tief in mir gibt es einen Ort

der fühlt sich an wie auf einem See und in die schwarzblaue Tiefe unter mir.

Dieser Ort ist warm.

Er fühlt sich vertraut an,

wie zuhause, aber voller Schmerz.

Es ist der Ort meiner Trauer.

Manchmal gehe ich sie besuchen und wir halten uns gegenseitig im Arm.

Sie wird nicht weniger dadurch, denn sie ist nicht die oberflächliche Traurigkeit, die ab und zu in mein Bewusstsein schwappt

Sie ist der Ort, wo sie herkommt.

Viel von ihr kenne ich noch garnicht. Sie stammt von meiner Geschichte und der Geschichte vor der Geschichte.

Sie ist meine vererbte Trauer und die, welche in meinem Leben dazugekommen ist.

Sie ist Schmerz von Generationen, gesammelt in all den Jahren des Schweigens.

Die Zeit nimmt sie nicht mit. Ich habe sie in meinem Herzen und trage sie mit mir.

Deshalb besuche ich sie ab und zu, sitze betäubt und doch wachsam fühlend in der warmen, dunklen Halle und halte sie fest und weine.

Und lasse sie weinen, lasse sie mich überwogen von all diesen Gefühlen, gebe ihr Zeit und Raum.

Und dann gehe ich wieder, für eine Weile

und fühle mich leichter.

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